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Der Speckgürtel um Trier und Luxemburg wächst - Ausweitung Richtung Hochwald

23.01.2020 18:42 (Kommentare: 0)

Im Raum Konz, Saarburg und Hochwald leben im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr Menschen. Überraschend ist die Entwicklung in einigen Orten im Hochwald, die im Schatten von Trier und Luxemburg wachsen.

Saarburg-Kell bleibt mit 33 474 die einwohnerstärkste Verbandsgemeinde (VG) im Kreis Trier-Saarburg und auch im Raum Konz, Saarburg, Hochwald. Das sind 93 Menschen mit Hauptwohnsitz mehr als Ende 2018. Die VG Konz hat 33 074 Einwohner, genauso viele wie im Vorjahr. Die VG Hermeskeil ist mit 15 289 Einwohnern die kleinste der drei. Sie hat im vergangenen Jahr zugelegt (+123).

Städte Konz ist weiterhin mit Abstand die größte Siedlung im Kreis Trier-Saarburg. Ende 2019 hatten 18 864 Menschen ihren Erstwohnsitz in der Saar-Mosel-Stadt angemeldet. Das sind 33 weniger als im Vorjahr (-0,17 Prozent). Ein Blick auf die Detailentwicklung in den Stadtteilen zeigt, dass Könen (+47 auf insgesamt 2574 Einwohner) und Obermennig (+5, 267 Einwohner) wachsen. Vor allem in Könen, das nach der Inbetriebnahme der Ortsumgehung viel attraktiver geworden ist, ist wegen mehrerer geplanter Mehrfamilienhausprojekte weiteres Wachstum zu erwarten. Alle anderen Stadtteile verzeichnen zurzeit negative Tendenzen, die von -5 in Konz-Filzen (320 Einwohner) bis -24 in der Kernstadt (12 374 Einwohner) reichen. Die Stadt plant jedoch kurz- und mittelfristig in Oberemmel, Niedermennig und am Wohngebiet Berendsborn die Erschließung weiterer Bauflächen.

Nach der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre ist auch die Stadt Saarburg leicht geschrumpft auf insgesamt 7430 Einwohner (-54/-0,72 Prozent). Positiv sticht diesmal die Stadt Hermeskeil heraus: Dort leben 139 Menschen mehr als noch Ende 2018 (6567/+2,16 Prozent).

Erklärungsversuch Die Hermeskeiler Stadtbürgermeisterin Lena Weber (SPD) sagt auf TV-Anfrage, dass im vergangenen Jahr Schub in die Vermarktung der Grundstücke im Neubaugebiet Auf der Pfersch gekommen sei. Zudem gebe es zurzeit einen kleinen Babyboom in der Stadt. Ein möglicher Grund aus Sicht der Bürgermeisterin ist eine Ausweitung des Speckgürtels um Trier und Luxemburg in Richtung Hochwald. Hermeskeil liege da hervorragend. Immerhin seien dort die Baulandpreise noch günstiger als in direkter Nähe zur luxemburgischen Grenze. Im Neubaugebiet Höfchen beginne die Vermarktung und Auf der Pferch II und III seien in der Planung.

Die andere Seite der Medaille: Die Stadt muss weitere Kita-Plätze schaffen und Geld in den Ausbau der Kita investieren. Das sei ein kommunalpolitisches Projekt für dieses Jahr. Solche Investitionen sind die logische Konsequenz des Wachstums: Die Folgekosten bekommt auch die Stadt Konz zu spüren. Sie schafft zurzeit in Konz-Könen weitere Betreuungsplätze. Dafür hat sie mehr als drei Millionen Euro investiert. Die Arbeiten sollen noch im Januar beginnen.

 

Obermosel Traditionell stark entwickeln sich die Dörfer an der Obermosel. Das liegt an der direkten Nachbarschaft zu Luxemburg. Auffällig ist diesmal aber, dass Nittel (VG Konz, 2621 Einwohner, -1/-0,04 Prozent) nicht weiter gewachsen ist. Das liegt unter anderem daran, dass bis auf zwei Grundstücke die Flächen der Gemeinde im Neubaugebiet Wiesengraben verkauft sind. Ortsbürgermeister Peter Leo Hein (CDU) geht aber davon aus, dass es bald mit dem rasanten Wachstum weitergeht. So seien von den 60 privaten Grundstücken noch viele frei, die immer noch vermarktet werden könnten. Außerdem erwartet Hein, dass im März oder April der Spatenstich für den geplanten Supermarkt und die 34 Servicewohnungen am Rand des Neubaugebiets erfolgt. Dann wächst der Ort nicht nur weiter, sondern auch die Nahversorgung verbessert sich.

 

Der Nachbarort Wincheringen hat im vergangenen Jahr weiter ordentlich zugelegt (VG Saarburg, 2370 Einwohner, +72/+3,13 Prozent). Das liegt laut Ortsbürgermeister Elmar Schömann immer noch an dem privaten Neubaugebiet Auf Mont. Dort vermarktet die Family Park GmbH fast 400 Baugrundstücke. Laut Aussage der Firma wurden inzwischen 225 Bauvorhaben realisiert. Weiter heißt es auf der Internetseite, dass es sich um das größte Neubaugebiet an der luxemburgischen Grenze handele. Laut Ortsbürgermeister Schömann beginnt in Auf Mont die Vermarktung des letzten Abschnittes.

 

Größter anteiliger Zuwachs Hinzert-Pölert (VG Hermeskeil) sorgt für eine Überraschung. Eigentlich liegt das Dorf ja nicht gerade in direkter Nähe zu Trier oder Luxemburg, wo in der Region die wachsenden Gemeinden zu finden sind. Trotzdem ist es um 4,84 Prozent gewachsen und hat somit anteilig die meisten Einwohner im Raum Konz, Saarburg, Hochwald hinzugewonnen. Insgesamt kommt der Ort jetzt auf 303 Bewohner (+14). Laut Ortsbürgermeister Mario Leiber liegt das daran, dass junge Familien in den Ort, vor allem nach Pölert, gezogen seien. Es gebe inzwischen so gut wie keine Leerstände mehr. Da sei ein Generationenwechsel vollzogen worden. Zudem sei auf vereinzelten Grundstücken neu gebaut worden. Leibers Erklärung für den Boom in seinem Dorf ähnelt der der Hermeskeiler Stadtbürgermeisterin Lena Weber: „Die Leute kommen, weil hier die Baugrundstücke noch bezahlbar sind.“

 

Größter Verlust Hentern (VG Saarburg-Kell hat noch 381 Einwohner und mit -4,27 Prozent anteilig am meisten verloren (absolut: -17). Als Ortsbürgermeister Michael Marx von der Entwicklung hört, ist er überrascht. Er habe eigentlich eher mit Wachstum gerechnet, weil 2018/19 mehrere Häuser neu gebaut worden seien. Allerdings gebe es einige vermietete Wohnungen in Hentern. Deswegen komme es zu Fluktuation. Die Gemeinde hat einen Plan, dem Trend entgegenzusteuern. Laut Marx sollen dieses Jahr 19 neue Baugrundstücke dazukommen.

 

Meinung : Wachstum bringt Geld, kostet die Orte aber auch viel

Es ist schön zu sehen, dass es weiter mehr Menschen in die Region zieht – zum Teil auch in Dörfer, wo eigentlich kein Wachstum erwartet wird. Allerdings müssen sich die Kommunalpolitiker in jedem Dorf bewusst sein, dass Wachstum nicht nur mehr Zuweisungen von Bund und Land mit sich bringt, sondern auch Kosten.

 

Kitas, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen müssen ausgebaut werden. Das kostet viel Geld, wird aber nur zu einem kleinen Teil von höheren Ebenen bezahlt. Da wäre es angesichts riesiger Steuerüberschüsse im Bund schön, wenn die Kommunen, die sich um Wachstum und Infrastruktur bemühen, nicht jeden Cent dreimal umdrehen müssten.
c.kremer@volksfreund.de

 

@volksfreund.de vom 9.Januar 2020

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